Olympia Terrorwarnung - Flugzeug soll Bomben abwerfen

Die Olympia-Schlussfeier begann abends um halb acht in München. Joachim „Blacky“ Fuchsberger moderierte in sein Mikrophon: "Die Spiele haben heiter begonnen - sie enden ernst." Gegen kurz nach 20:00 Uhr erlosch das olympische Feuer. Nahezu zeitgleich um 20:05 Uhr erhält Verteidigungsminister Leber folgende Mitteilung:

"Herr Minister, vor wenigen Minuten ist in Stuttgart von Arabern ein Flugzeug gestohlen worden. Es hat die Absicht, auf die Abschlusskundgebung eine Bombe zu werfen".

Leber versuchte daraufhin, weitere Informationen in Erfahrunge zu bringen: Die Flugsicherung bestätigt Ihm, dass seit 20.03 Uhr ein nicht identifiziertes Objekt in 2.000 m Höhe rund elf Meilen nordwestlich von Ulm langsam Richtung Osten unterwegs ist.

Nach einigen weiteren Abstimmungen mit der Flugsicherung befahl Verteidungsminister Leber den Start der Alarmrotte des Jagdgeschwaders 74 vom Flugplatz in Neuburg an der Donau. Zwei bewaffnete Kampfjets stiegen daraufhin Richtung Olympia-Abschlussfeier auf. Zwei Minuten nach dem Aufstieg der Jagdstaffel meldete die Luftraumüberwachung: Das unbekannte Flugzeug ist nicht mehr auf dem Radar. Vermutlich seien die Entführer in den Tiefflug übergegangen, um unterhalb des Radars zu fliegen.

Im Olympiastadion erhielten unterdessen führende Politiker diskrete Informationen zur Terrowarnung, einige verliessen daraufhin Ihre Plätze. Auch Joachim Fuchsberger erhielt vom Regisseur August Everding folgende Mitteilung:

"Nicht identifizierte Flugobjekte im Anflug auf das Olympiastadion - möglicherweise Bombenabwurf - sag, was du für richtig hältst."

Joachim Fuchsberger blickte zum Himmel und sah die zwei Kampfjets über das Stadion donnern. Später berichtete er der Süddeutschen Zeitung:

"Ich war der einsamste und angeschissenste Mensch, den man sich vorstellen kann! 70.000 Menschen auffordern, das Stadion zu verlassen? Dabei aber Ruhe zu bewahren? Eine Massenpanik mit unabsehbaren Folgen wäre unausweichlich gewesen."

Fuchsberger entschied sich aufgrund der anwesenden Kampfjets nichts zu sagen und fuhr im Programm fort. Indess konnte die Flugsicherung das unbekannte Flugzeug bei Augsburg auf dem Schirm ausmachen: Nach wie vor steuerte es in 2.000 Metern Höhe mit Zielrichtung München.

Während sich im Krisenstab die Lage dramatisch zuspitzte und eine Entscheidung zum Abdrängen, oder gar dem Abschuss des unbekannten Fliegers schon beinahe überfallig schien, wandelte sich das Blatt:

Bei der Flugsicherung ging ein Notruf einer finnischen Passagiermaschine ein, die Probleme mit der Bordtechnik meldete. Aufgrund der Ausfälle bat der Pilot der DC 9 um Landeerlaubnis in München-Riem. Die finnische DC 9, mit mehr als 100 Personen an Board konnte daraufhin als das "unbekannte Flugzeug" identifiziert werden und konnte einige Zeit später sicher am Flughafen Riem landen. Das in Stuttgart gestohlene Flugzeug hingegen, ist nie wieder aufgetaucht....

In seinen Memorien erinnert sich Georg Leber später:

"Höchstens zwei Minuten später hätte dieser Vorgang, der sich jetzt wie eine Episode anhört, einen anderen Verlauf genommen. Auch meine eigene Welt hätte drei Minuten später ganz anders ausgesehen. (...> Wenn ich zu diesem Zeitpunkt den Einsatzbefehl an die beiden Abfangjäger gegeben hätte und das unbekannte Flugzeug hätte sich nicht einfach von seinem Ziel abdrängen lassen, dann hätte es an dieser Stelle zum Waffeneinsatz kommen müssen. (...) Ich habe in meinem Leben nicht immer so viel Glück gehabt wie an diesem Abend des 11. September 1972."